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Die Industriegeschichte Offenbachs beginnt Ende des 17. Jahrhunderts mit der Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge. Die liberale Wirtschaftspolitik der Regierungen der Stadt begünstigte die Entstehung, Ansiedlung und Entwicklung von industriellen Sparten, besonders der metallverarbeitenden, der chemischen, der Lederwaren- und der Druckindustrie. Aus dieser Zeit haben sich in Offenbach einige industrielle Zeugnisse bis in die Gegenwart erhalten. Heute präsentiert sich die Stadt als modernes Dienstleistungszentrum und ist eines von neun Oberzentren des Landes Hessen.

Anfänge Bearbeiten

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Wagenfabrik Dick & Kirschten, Hersteller von Luxus- und Gebrauchskutschen um das Jahr 1876

Die Industriegeschichte von Offenbach am Main beginnt mit einem Erlass des Grafen Johann Philipp von Isenburg-Offenbach im Jahre 1705, mit welchem er die bereits Jahre zuvor begonnene Ansiedlung von Hugenotten in der Stadt legalisierte und die Neubürger mit Privilegien ausstattete. Offenbach hatte immer noch mit den katastrophalen Folgen des 30jährigen Krieges zu kämpfen und versuchte seine Attraktivität durch gezielte Protektion zu steigern. Vor dieser Zeit war Offenbach als Gartenstadt bekannt und sogar in der Innenstadt waren Grundstücke mit großen Obst- und Gemüsegärten zu finden. Produkte von überregionaler Bedeutung waren die sogenannten Offenbacher Fayencen.

Um Konflikte mit den etablierten Berufsständen zu vermeiden, wurde den französischen Glaubensflüchtlingen verboten, sich in der Landwirtschaft oder im Handwerk zu betätigen. In Folge gründeten diese Manufakturen, kleine Betriebe mit ersten industriellen Ansätzen. Hergestellt wurden Erzeugnisse aus Seide, Kautabak, Schnupftabak, Schmuckdosen und andere Artikel des gehobenen Bedarfs. Erwähnenswerte Unternehmen aus dieser Epoche sind der Musikalienverlag und Notendruckerei Johann André, die Saitenfabrik Pirazzi, die Wagenfabrik Dick & Kirschten und die Tabakfabriken der Familien Bernard und d’Orville.

Die Wirtschaftspolitik der Nachbarstadt Frankfurt war noch im 18. Jahrhundert durch Ständerecht, Gilden und Handwerkszünfte reglementiert und die Gründung neuer Manufakturen wurde bewusst erschwert und behindert. Frankfurter Händler und Handwerker betrachteten diese neuen Betriebe als Konkurrenz und versuchten eine Ansiedelung in der Stadt zu verhindern. Unternehmensgründer wichen deshalb gerne in das liberalere Offenbach aus. Die weitgehende Gewerbefreiheit und die verkehrsgünstige Lage trugen maßgeblich zur industriellen Entwicklung der Stadt bei.


19. Jahrhundert Bearbeiten

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Automobil von Dick & Kirschten

Die ehemalige Dorf Offenbach wurde zügig zur Fabrikstadt ausgebaut. Die Infrastruktur wurde den neuen Bedarfen angepasst, der Mainhafen gebaut, der Güter- und Hauptbahnhof errichtet und das Straßennetz erweitert. Weitere produzierende Betriebe siedelten sich an. Es gab allerdings keine ausgewiesenen Gewerbegebiete, in Folge produzierten Betriebe auch in der Innenstadt und beeinflußten das Stadtbild und die Wohnqualität. Umweltschädliche Produktionsabläufe, wie damals in der chemischen Industrie üblich, und Platzprobleme zwangen teilweise zur Umsiedelung in die Randgebiete Offenbachs – erste Industriegebiete entstanden. Der große Bedarf an Arbeitskräften ließ Offenbach wachsen, die Stadt und die Gemeinden im Landkreis vervielfachten ihre Einwohnerzahl. Wegen der Einpendler nach Offenbach wurden eigens die Bahnlinien nach Heusenstamm, Dietzenbach errichtet und die Bahnstrecken nach Neu-Isenburg und Langen ausgebaut. Im Jahr 1871 zählte man im Stadtgebiet Offenbach 236 Fabriken, davon stellten 58 Lederwaren, 16 Stahlwaren, 12 Posamenten, 9 Filzwaren und Hüte sowie 8 Betriebe Zigarren her. Des weiteren gab es 11 lithografische Anstalten und Druckereien, sowie 10 Steinbrennereien in Offenbach.

Die Lederwarenindustrie umfasste mit den Zulieferbetrieben fast 6000 Arbeitsplätze und war somit in dieser Epoche der bedeutendste Industriezweig der Stadt.


20. Jahrhundert Bearbeiten

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Das Verwaltungsgebäude Fa. Heyne wurde von Hugo Eberhardt entworfen

Offenbach war inzwischen das führende produzierende Industriezentrum in Südhessen. Mehrere zehntausend Arbeitsplätze waren entstanden. Diese Entwicklung förderte allerdings auch die Anfälligkeit gegenüber wirtschaftlichen und politischen Krisen. Vor und während des ersten Weltkrieges wurde auch für die Rüstung produziert. Nach den Phasen des Aufschwungs folgten nach Kriegsende als unmittelbare Kriegsfolge Firmeninsolvenzen und hohe Arbeitslosigkeit. Politische Parteien begannen mit ihrer Einflussnahme auf die arbeitende oder arbeitslose Arbeiterschaft. Ein positives Beispiel ist die Gründung der Fahrradfabrik Frischauf durch eine der demokratischen SPD nahestehenden Genossenschaft. Seit 1910 verstand sich die Offenbach selbst als Lederwarenstadt, obwohl dieser Industriezweig inzwischen eher in das Offenbacher Umland abgewandert war.

Der Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 markiert einen Wendepunkt in der Offenbacher Industriegeschichte. Jüdische Firmeneigentümer und Genossenschaften wurden enteignet, die beschlagnahmten Unternehmen verkauft, umstrukturiert und die Belegschaften gleichgeschaltet. Die Produktion richtete sich wieder an den Bedarfen der Rüstungsindustrie aus. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion vor allem mit Zwangsarbeitern und Frauen aufrecht erhalten.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges blühte die Lederwarenindustrie wieder auf. Die Nachfrage nach feinen Lederwaren aus Offenbach stieg derart an, dass auch im Umland viele kleine und mittlere Familienunternehmen neu gegründet wurden.

Bereits in den 1970er Jahren wird Offenbach als eine der ersten Städte mit einem Strukturwandel konfrontiert, da die wichtigen Bereiche Lederwaren und Elektronik nach Fernost verlagert werden. Es gelang ab den 1990er Jahren die Stadt neu zu positionieren und einen Verfall zur Schlafstadt im Speckgürtel Frankfurts abzuwenden. Die letzten Betriebe spezialisierten sich häufig auf hochwertige Waren, während sich in der Stadt zunehmend Dienstleistungs- und Forschungsunternehmen ansiedelten.


21. Jahrhundert Bearbeiten

Die Stadt Offenbach hat sich von der ursprünglichen Fabrikstadt zu einer Stadt der Dienstleistungen entwickelt. Einige Fabrikgebäude ehemaliger Betriebe blieben erhalten und wurden als Büroräume (häufig des Design- und Werbebereichs) umgebaut, so etwa die Hassia-Fabrik und die Heyne-Fabrik. Weiterhin siedelten sich Banken, Versicherungen und Vertriebsfirmen an.

Firmen wie Groupe SEB (ehem. Rowenta), Areva und Siemens Power Generation (ehem. Kraftwerk Union) profitieren von der zentralen Lage Offenbachs und haben ihre Dienstleistungsaktivitäten vor Ort ausgebaut, während die Fertigung längst verlagert wurde.

Mittelständische Unternehmen wie Kappus (Seifen), Pirazzi (Musiksaiten und chirurg. Nähmaterial), Goldpfeil (Lederwaren und Accessoires) fertigen und vertreiben Qualitätswaren und sind ein lebendiger Bestandteil der Offenbacher Industriegeschichte.


Bedeutende Firmen der Industriegeschichte Offenbachs Bearbeiten

Viele Offenbacher Firmen sind inzwischen umbenannt, insolvent, verkauft oder in andere Firmen und Konzerne aufgegangen. Trotzdem haben sich einige bis heute erhalten und zeugen von der ehemals herausragenden Bedeutung Offenbachs als Fabrikstadt in Hessen.


Unternehmen der chemischen Industrie Bearbeiten


Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie Bearbeiten


Unternehmen der lederverarbeitenden Industrie Bearbeiten

  • Lederfabrik J. Mayer & Sohn
  • Gerberei Oswald Rügner (ORO)
  • Lederwarenfabrik Goldpfeil
  • Lederwarenfabrik Gebrüder Krauss
  • Lederwarenfabrik Rosenthal
  • Lederherstellung Spicharz
  • Schuhfabrik Hassia Gebr. Liebmann
  • Schuhfabrik Schönhof

Unternehmen der Druckindustrie Bearbeiten


Andere Unternehmen Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Offenbach was für eine Stadt, Hrsg. Volkshochschule Offenbach, Verlag CoCon, ISBN-13: 978-3937774053
  • Stadt und Kreis Offenbach in der Geschichte, Autor: Dr. Alfred Kurt, Bintz-Verlag GmbH Offenbach am Main, 1998, ISBN 3-87079-009-1


Weblinks Bearbeiten


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