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Der Wilhelmsplatz ist ein großer zentraler innerstädtischer Platz in Offenbach am Main.

Der Wilhelmsplatz ist umgeben von Häusern alter Bausubstanz und wird zur Straße hin durch Kastanienbäume getrennt. Er ist Standort des Wochenmarktes.


Das Gelände (11.850 m2) verfügt über ein Marktwärterhaus, ist zugänglich für Radfahrer und Fußgänger und fungiert außerhalb der Markttage als Parkplatz.

Geschichte Bearbeiten

Wilhelmsplatz
Wochenmarkt-offenbach.de3
Der Wochenmarkt nach dem Krieg

Etwa ab 1700 war der heutige Wilhelmsplatz der Friedhof der Stadt Offenbach und lag damals noch außerhalb. Er wurde am 14.12.1832 geschlossen, da zu diesem Zeitpunkt der größere, heutige "Alte Friedhof" in der Friedhofstraße fertig gestellt war, um schließlich 1866 abgeräumt zu werden. In den Jahren ab 1868 hielt man auf dem Platz, der nun zur Unterscheidung zum eigentlichen zentralen Marktplatz den Namen „Neumarkt“ erhielt, ein Viehmarkt ab.[1]

1876 wurde zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. ein Gedenkstein errichtet und der Platz erhielt den Namen „Wilhelmsplatz“. Ab 1903 verlagerte die Stadt das Marktgeschehen des Offenbacher Wochenmarktes dann vom Marktplatz auf den Wilhelmsplatz. Der Marktplatz in Offenbach verlor dadurch seine zentrale Funktion als Handelsplatz. 1911 wurde an der Nordseite das Marktwärterhaus als Unterstand für den Marktmeister errichtet. Dieses Gebäude wird heute noch in seiner ursprünglichen Form als Apfelweingaststätte genutzt und steht unter Denkmalschutz.[1]

Am Karfreitag 1919 nahm am Wilhelmsplatz der Karfreitagsputsch seine Anfänge. Kommunistische Kräfte versammelten auf dem Wilhelmsplatz bei einer Kundgebung rund 2000 Menschen. Nachdem Mitglieder der Kommunistische Partei Deutschlands die Massen aufgewiegelt hatten, zogen diese in die Bieberer Straße und versuchten, die Kaserne des 5. Großherzoglich-Hessischen Infanterie-Regimentes Nr. 168 zu stürmen.[1]

In der Zeit der Nationalsozialisten erhielt der Wilhelmsplatz den Namen „Platz der SA“. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges führte man den alten Namen „Wilhelmsplatz“ wieder ein.[2]

Heutige Nutzung Bearbeiten

Wochenmarkt

Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz

Wilhelmsplatz bei Nacht

Wilhelmsplatz bei Nacht

Wilhelmsplatz steril

Der Wilhelmsplatz nach Umbau - mehr Chame oder steril?

Kastanientod

OB Schneider lässt die Kastanien auf dem Wilhelmsplatz fällen

Dreimal in der Woche findet auf dem Wilhelmsplatz der Offenbacher Wochenmarkt statt. Außerhalb der Marktzeiten sowie an den marktfreien Tagen wird er als PKW-Parkplatz genutzt.

Mehrmals im Jahr finden auf dem Wilhelmsplatz Feierlichkeiten wie der Künstlermarkt oder das Kulturfest der Nationen statt.

Planung Bearbeiten

Heftig umstritten ist seit vielen Jahren der Umbau des maroden Platzes. Der ehemalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke favorisierte eine Tiefgarage, die Grünen einen autofreien Platz. Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP einigte sich in ihrem Koalitionsvertrag zunächst grundsätzlich auf eine Umgestaltung des Platzes, bei der ein Teil des Platzes nicht mehr als Parkplatz dienen soll. Der Idee einer Tiefgarage wurde aus unterschiedlichen Motiven eine Absage erteilt. Die Grünen befürchteten mehr Autoverkehr, die FDP eine hässliche Einfahrt und Probleme für Gastronomie und Einzelhandel während der sehr langen Umbauphase.

Die Kosten des Ursprungsplans sollten rund 1,9 Millionen Euro [3] betragen. Danach wird ein Teil des Platzes grundsätzlich vom Parken befreit, ein anderer Teil während des Wochenmarktes und er dritte Teil dient zu jeder Zeit dem Parken.

Aufgrund des Interesses von Investoren sollte nach der ursprünglichen Planung die Sanierung durch ein privates Unternehmen übernommen werden. Dieses hätte im Gegenzug am ditten Teil des Platzes die Nutzungsrechte für die Parkfläche erhalten. Die Verwaltung veröffentlichte eine entsprechende Ausschreibung. Der in Offenbach bereits aktive Betreiber Q-Park, der ein Beteiligung am Bieterverfahren angekündigt hatte, stieg am 3. März aus dem Ausschreibungsverfahren aus, und auch ein weiterer, namentlich nicht bekannter, Interessent teilte Anfang März mit, dass er kein Angebot abgeben werde. Die Offenbacher CDU hatte ebenso wie die Linke die "Privatisierung" des öffentlichen Raums abgelehnt.

Zeitlich fiel der Ausstieg der Privatwirtschaft mit dem "Geldsegen" der Konjunkturförderung im Rahmen der weltweiten Wirtschaftskrise zusammen. Die Koalition beschloss daher, dass der Umbau des Platzes aus dem Konjunkturprogramm erfolgen soll.[1] Gegner der Platzumgestaltung argumentierten hingegen, dass die Atmosphäre auf derart erneuerten Plätzen als zu kühl empfunden wird und keineswegs zum Verweilen einlädt. Die Offenbacher CDU lehnte zunächst die Pläne vor allem wegen wegfallender Parkplätze (und der Parkplatzprivatisierung) ab, änderte dann aber ihre Position.

Umstritten war auch die über die Erneuerung der Platzmitte hinausgehende Veränderung der seitlichen Straßen des Wilhelmsplatzes. Die seit Anlage des Platzes bestehende Struktur mit umlaufender Straße und von Kastanien eingerahmter Platzmitte wird nach dieser Idee eingeebnet werden. Nach Vorstellung der Stadtverwaltung wird künftig eine einheitliche Zementstein-Fläche "von Hauswand zu Hauswand" den Platz bedecken. Die Hoffnung ist, dass die Gastronomie sich ohne die begrenzende Wirkung der Bordsteine leichter Richtung Platzmitte ausdehnen kann und durch den insgesamt "ordentlicheren" Anblick der Platz mehr Publikum auch aus dem Umland anzieht. Die Anlieger beklagten hingegen hohe Anliegerbeiträge bei einem Umbau der Straßen.

Die Idee der Gestaltung von Häuserkante zu Häuserkante wurde von der FDP in die Diskussion eingebracht und fand die Unterstützung der Koalitionsparteien Grüne uns SPD. Die Freie Wählergemeinschaft Offenbach hat hingegen einen Änderungsantrag vorgelegt, wonach nur der zentrale Platzbereich umgebaut werden soll [2]. Auch die CDU-Fraktion sprach sich gegen die "Goldfransen" in Form des nicht erforderlichen seitlichen Umbaus aus. [3] Das Stadtparlament entschied mit den Stimmen der Koalition aus SPD, Grünen und FDP gegen die Stimmen von Union und FWG für die "große Lösung". Auch die Linkspartei sowie die Tierschutzpartei stimmten für diese. Die Republikaner schlossen sich Union und FWG an.

Kastanien Bearbeiten

Seit jeher wird das innere Viereck des Wilhelmsplatzes von Kastanien umrahmt, die inzwischen Höhen bis 15 Meter erreicht haben.

Im Rahmen der Neugestaltung des Platzes kam es zu einer nicht den internen Vorschriften der Verwaltung entsprechenden Fällung von Bäumen, um Platz für weitere Parkplätze im südlichen Platzbereich zu schaffen. (Siehe Fotostrecke "Kahlschlag am Wilhelmsplatz" in der Offenbach-Post[4])

Die Verwaltung stellt die Fällung zwar als "unglückliche Verkettung" von Missverständnissen dar (Siehe Bericht der Offenbach-Post [5]). Der Oberbürgermeister Horst Schneider übernahm die politische Verantwortung. Diese Erklärung wurde in der Öffentlichkeit jedoch teilweise kritisiert. Dem Oberbürgermeister wurde unterstellt, kritische Punkte irgendwo in den Planungsunterlagen so zu verstecken, dass auch die Stadtverordneten nach Möglichkeit nicht darauf aufmerksam werden, was tatsächlich entschieden wird.

Streichholzkarlchen Bearbeiten

Als Offenbacher Original zählt der Streichholzverkäufer Karl Winterkorn (* 28. März 1880) - das Streichholzkarlchen. Ihm zu Ehren steht eine, von der Offenbacher Steinbildhauermeisterin Judith Quartier geschaffene, Statue auf der nordwestlichen Ecke des Wilhelmsplatzes.

Gastronomie Bearbeiten

Restaurant Minh Anh

Handel Bearbeiten

  • ARTYCON - Galerie, Wilhelmsplatz 2, 63065 Offenbach
  • bam – Buchladen am Markt, Wilhelmsplatz 12, 63065 Offenbach - [kontakt@buchladenammarkt.de Info]
  • Weinhandel Villa Vinum, Wilhelmsplatz 12, 63065 Offenbach - [offenbach@villavinum.de Info]

Ärzte Bearbeiten

  • Pneumologisch-allergologische Gemeinschaftspraxis
    • Dr. med. Dietz, Internist, Lungen- u. Bronchialheilkunde, Wilhelmsplatz 11, 63065 Offenbach
    • Dr. med. Heise-Reinecker, Internist, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Wilhelmsplatz 11, 63065 Offenbach
    • Dr. med. Sulzbach, Internist, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Umweltmedizin, Wilhelmsplatz 11, 63065 Offenbach

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 offenbach.de, Stand 22.10.2008
  2. wochenmarkt-offenbach.de Stand 22.10.2008
  3. offenbach.de, Stand 22.10.2008


Quellen Bearbeiten

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